Stalin – Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili – der irre Verbrecher (1878 – 1953)

Josef Stalin retouchiertAm 18. Dezember (nach gregorianischem Kalender der 6. Dezember) 1878 wird Stalin als Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili in Gori, Georgien, als Kind eines Schuhmachers und einer frommen Waschfrau geboren. Sein Vater ist Alkoholiker und prügelt regelmässig auf Sohn und Frau ein. Aber auch die Mutter schlägt ihn. Schon früh lernt der junge Josef zu hassen.

Das Bild von Stalin ist – wie vieles sonst während seiner Zeit in Russland – retuschiert und verändert.

Seine Körpergrösse:    165cm

Stalin tat später alles, um die Spuren seiner Kindheit zu verwischen. Er änderte das Geburtsdatum seines Vaters und auch das eigene. Er gab den 21. Dezember 1879 als Geburtsdatum an. Sein Geburtshaus wurde später zu einem Wallfahrtsort. Die Besucher seines Geburtshauses erfahren nicht, dass es für Josef eine Hölle war.

Sein Gesicht ist übersät von Narben, die die Pocken hinterlassen haben, der linke Arm ist seit einem Unfall verkürzt und er humpelt. Aber Stalin besitzt er eine helle Stimme, einen schönen Tenor. Er singt bis ins hohe Alter gerne und bei vielen Gelegenheiten.

Schulzeit

Stalin besucht zwischen 1887 und 1894 auf Wunsch der Mutter eine religiöse Schule, lernt Russisch und verlässt diese als bester Schüler. Mit seinen guten Leistungen wird er für ein orthodoxes Priesterseminar in Tiflis vorgeschlagen, die erste Bildungsstätte der Stadt.

1894 tritt er in das orthodoxe Priesterseminar von Tiflis. Aber das Seminar besitzt einen zweifelhaften Ruf. Die Schüler werden von den Mönchen und Lehrmeistern mehr unterdrückt als unterrichtet, das Seminar gleicht einer Strafanstalt.

Neben der klassischen Bildung erlernt Josef hier die feinen und perfiden psychologischen Mechanismen der Unterdrückung, Selbstbehauptung und Drangsalierung von Konkurrenten. Sein Hang zur Gewalt fällt bald auf. Josef versteht es zu dominieren, bald ist er Anführer einer kriminellen Schlägerbande.

Er hält nicht mehr viel von Religion. Er wird beeinflusst durch die Lektüre von Darwins Entstehung der Arten und wird zum überzeugten Atheisten. In dieser Zeit kommt Stalin er auch in Kontakt mit marxistischen Ideen und liest Lenins Schriften. Sie werden sein neuer Glaube. Er realisierte: Das russische Volk brauchte den Glauben, brauchte einen Zaren und eine Heimat. Später liess er Kirchen sprengen und sein Bildnis in alle Zimmer hängen.

Leben im Untergrund – als Verbrecher und Terrorist

1898 wird er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR). Wegen seiner Beteiligung an revolutionären Aktivitäten wird er 1899 aus dem Priesterseminar ausgeschlossen. Von der Mutter, die ihren Sohn kennt, ist der Ausspruch bekannt: Es ist schade, dass du kein Priester geworden bist. Bei ihrer Beerdigung 1937 war Stalin nicht einmal zugegen. Das Bild eines liebenden Sohnes, wie er es vorspielen wollte, war gefälscht. Er hat sie vor Freunden sogar als «alte Hure» bezeichnet.

Nach der Spaltung der SDAPR 1903 geht Stalin auf die Seite der Bolschewiken unter Wladimir I. Lenin, kurz darauf erfolgt seine Verbannung nach Sibirien. Hier heiratet er Jekaterina Swanidse. Aus dieser Ehe stammt sein erster Sohn, der im Zweiten Weltkrieg in deutscher Kriegsgefangenschaft bei einem Fluchtversuch erschossen wird, ohne dass sich Stalin um seine Freilassung bemüht hat.

Bereits nach einem Jahr flieht er aus Sibirien. Er beginnt, Raubüberfälle für die Revolutionäre zu organisieren. Zum Beispiel plant und organisiert er den spektakulären Überfall auf die Reichsbankfiliale in Tiflis 1907, was eine Beute von 250’000 Rubel (heute 3.86 Millionen Dollar) bringt.

Seine erste Ehefrau Jekaterina Swanidse stirbt.

Stalin wird in den Jahren 1907-1913 mehrfach verhaftet, verurteilt und verbannt, kommt jedoch immer wieder nach kurzer Zeit frei oder flieht. Es ist, als ob die Staatspolizei bewusst weggeschaut hat. Ihm werden Kontakte zur staatlichen Geheimpolizei nachgesagt.

Lenin, der ihn als glänzenden Organisator schätzt, beruft ihn 1912 in das Zentralkomitee der Bolschewiken. Ab jetzt benutzt er den Namen Stalin („der Stählerne“).

Das Ende der Zarenherrschaft

Nach dem Ende der Zarenherrschaft 1917 kommt Stalin nach St. Petersburg und arbeitet dort in der Parteiorganisation der Bolschewiken. Er wirkt mit an der Vorbereitung der Machtübernahme und wird Mitglied der Redaktionsleitung der „Prawda“. Aber bei den entscheidenden Momenten des Oktoberputsches spielt er eine unbedeutende Rolle. Er ist auf keiner Aufnahme zu sehen. Die Nacht der Oktoberrevolution verbrachte er an einer Tee-Party. Erst später – in den von ihm hergestellten Revolutionsfilmen – stellt er sich als wichtigsten Kampfgenossen Lenins dar.

Der Weg zur Macht

In der bolschewistischen Regierung Lenins wird er zunächst Volkskommissar für Nationalitätenfragen und gliedert mit Hilfe der Roten Armee die von Russland abgefallenen Kaukasusvölker gewaltsam wieder in den Sowjetmachtbereich ein.

Im Bürgerkrieg (1918-1920) ist er als Politischer Kommissar an mehreren Fronten tätig. Im Krieg gegen Polen kommt es zum Bruch mit der Armeeführung unter Leo D. Trotzki.

Mit der Neuorganisation der Partei 1919 wird Stalin sowohl Mitglied des Polit- als auch des Organisationsbüros und erreicht damit eine besondere innerparteiliche Machtbasis, da er als einziger beiden Leitungsorganen angehört.

Heirat mit Nadeschda Allilujewa.

Als Volkskommissar für Arbeiter- und Bauerninspektion überwacht er die Ausführung der Regierungsbeschlüsse und entscheidet auch über Personalfragen mit.

Das 1922 neugeschaffene Amt des Generalsekretärs wird von Stalin zur Schlüsselstellung seiner innerparteilichen Machtbasis ausgebaut und im Kampf gegen Rivalen eingesetzt.

Lenin hat den Charakter von Stalin schon länger durchschaut. Vor seinem Tod 1924 warnt er vor ihm. Aber Stalin behält er seine Ämter nach dessen Tod. Als einer der Sargträger demonstriert er seine Ambitionen auf die Nachfolge von Lenin. Mit Hilfe seiner Machtstellung und skrupellos geschlossener Allianzen kann Stalin seine Konkurrenten in den folgenden Jahren nacheinander ausschalten und jegliche innerparteiliche Opposition unterdrücken.

Sozialismus in einem Land

Unter der Maxime des „Sozialismus in einem Land“ benutzt Stalin 1929 seine uneingeschränkte Machtfülle zur Durchsetzung der Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft und einer rigorosen Industrialisierung mit Hilfe von Fünfjahrplänen.

Grosser Terror

In der „Grossen Säuberung“ 1934-1939 vernichtet Stalin alle potentiellen und vermeintlichen Gegner seiner Herrschaft. In Schauprozessen wird auch die alte Bolschewikenführung aus der Zeit Lenins verurteilt und hingerichtet.

Auch 25’000 Offiziere wurden hingerichtet. Damit wurde die Armee massiv geschwächt, doch Stalin nahm das in Kauf, um seine Stellung durch Einschüchterung zu stärken und loyale Anhänger in die Schlüsselpositionen der Armee zu bringen.

Oft wurden die Hinrichtungen nur auf Quoten gegründet, die Stalin vorgab.

Holodomor – Hungersnot in der Sowjetunion

Dadurch, dass in den 30-er Jahren den Bauern ihre Ernte weggenommen wurde, entstand in vielen Gegenden, vor allem in der Ukraine, eine grosse Hungersnot. Sie ist bekannt unter dem Begriff Holodomor, das Tötung durch Hunger heisst. Dieser Hungersnot fielen schätzungsweise 3 – 7 Millionen Menschen zum Opfer.

Hungertote Holodomor Charkow  kiew toter auf der strasse Holodomor

Überall lagen tote, verhungerte Menschen auf der Strasse.

Nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1991 versuchte die Ukraine, den Holodomor international als Völkermord anzuerkennen.

Nichtangriffspakt mit Deutschland

Als Ergebnis einer um Sicherheit bemühten Aussenpolitik schliesst Stalin (vertreten durch Molotow) 1939 mit dem Aussenminister von Ribbentrop den Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich. Er ahnte da noch nicht, dass ihn Hitler nur ruhigstellen wollte.

Erst als Hitler 1941 Russland angreift, realisiert Stalin die Situation.

Stalin wird Vorsitzender des Rates der Volkskommissare (des späteren Ministerrates) und übernimmt nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion die Kriegführung. Er proklamiert den „vaterländischen Krieg“ gegen Adolf Hitler.

Deutsch-Russischer Krieg (Verlauf)

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Jalta und Potsdam

Auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam (1945) und mit der Förderung kommunistischer Parteiregime in den osteuropäischen Staaten setzt sich Stalins expansionistisches Machtstreben erfolgreich durch, das als eine Grundlage die Nachkriegsordnung bis 1990 mitbestimmt.

Mit seiner unangefochtenen Machtstellung in den Jahren 1945-1953 setzt er die rigorose Innenpolitik fort und plant weitere Säuberungen.

Mit der Blockade West-Berlins 1948 versucht Stalin, die Kontrolle über die gesamte Stadt zu erlangen.

Im Koreakrieg (1950-1953) zeigt sich der Gegensatz der beiden Weltmächte UdSSR und USA sowie der Wille Stalins zur Ausweitung seines Einflussbereiches.

Während der Verhandlungen über den Deutschland- und den EVG-Vertrag, versucht Stalin 1952, die Westintegration der Bundesrepublik Deutschland zu verhindern. In einer Note an die Westmächte bietet er Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands, den Abschluss eines Friedensvertrages und die Aufstellung nationaler Streitkräfte an.

Stalins Tod und sein Erbe

Am 5. März 1953 stirbt Stalin stirbt in seiner Datscha bei Moskau. Als er um Hilfe schrie, wagte niemand, ihm zu helfen, da man um seine Unberechenbarkeit wusste…

Mit der beginnenden „Entstalinisierung“ 1956 wird das Prinzip der Alleinherrschaft zugunsten einer Kollektivführung der Partei eingeschränkt. Ausserdem werden Verbrechen aus der Stalin-Zeit veröffentlicht und verurteilt.

Erst 1961 wird die Leiche Stalins aus dem Mausoleum am Roten Platz entfernt und an der Kremlmauer beigesetzt.