Die Bergföhre

foehre bergfoehre meinstein.chNeben der im Mittelland verbreiteten Waldföhre (Pinus silvestris) wächst im Alpengebiet eine gut unterscheidbare Art, die Bergföhre (Pinus mugo). Stets ist ihre Krone spitz kegelförmig (bei der Föhre zuletzt abgewölbt), die Rinde ist überall dunkel (bei der Föhre oberwärts rötlich).

Die Bergföhre zeigt in ihrem Wuchs alle Übergänge vom 20 m hohen, aufrechten Nadelbaum bis zum niederliegenden, vielästigen Busch. Oft ist sie von krummem Wuchs (“Legföhre”), gewohnt, von Lawinen niedergedrückt zu werden (Abbildung).

An den Ästen kann man Lang- und Kurztriebe erkennen. Die Langtriebe besitzen einen Vegetationspunkt und daher auch ein Längenwachstum. Sie verholzen und werden zu Zweigen und Ästen. Die an der Basis der Langtriebe sitzenden Niederblätter fallen beim Austreiben ab. Am Langtrieb wachsen spiralig angeordnete kleine Höckerchen aus, aus denen die Kurztriebe entstehen. Sie haben keinen funktionsfähigen Vegetationspunkt, daher auch kein Längenwachstum. Jeder Kurztrieb trägt die zwei Nadeln (Laubblätter), welche an der Basis von häutigen Niederblättern umhüllt sind.

kiefer kurztriebe

Lang- und Kurztriebe und Nadeln (Wikipedia)

 

 

 

Die Bergföhre streckt ihr Wurzelsystem horizontal sehr weit aus, es sind schon Wurzellängen von 9 m gemessen worden. Die Wurzelenden sind mit einem symbiontischen Pilz vergesellschaftet. Dieser hilft dem Baum, sich mit genügenden Nährstoffen einzudecken.

Obwohl die Bergföhre einhäusig ist (männliche und weibliche Blüten auf dem selben Baum), zeigt sie Tendenz zur Zweihäusigkeit (ein Baum vorwiegend Zapfenblüten, ein anderer vorwiegend Pollenblüten). Die zahlreichen männlichen Blüten stehen in der unteren Hälfte um den diesjährigen Langtrieb herum angeordnet. “Blütenblätter” einer männlichen Blüte sind schuppenförmig und umschliessen die darüberliegenden, gelben Staubblätter, welche sich an der Unterseite mit Längsrissen öffnen und den Pollen dem Wind übergeben. Nach der Blütezeit, die etwa im Mai stattfindet, fallen diese Blüten ab und hinterlassen nadelfreie Ästchen. Die mehr männlichen Bäume haben daher bis zu den unteren Ästen die Nadeln in lauter Quirlen angeordnet und sehen daher weniger buschig-dicht aus wie die mehr weiblichen Pflanzen. Weibliche Blüten stehen an Stelle von zukünftigen Langtrieben. Ihre Fruchtblätter sind schuppig, verholzen bald und bilden zusammen einen eiförmigen Zapfen. Nach der Befruchtung durch herangewehten Pollenstaub schliessen sich die Fruchtschuppen und verkleben durch Harz. Die Früchte benötigen für ihre Entwicklung zwei Jahre. Im ersten Jahr sind die Zapfen noch grün und wenig verholzt, im zweiten wachsen sie aus, verholzen und bilden den Samen. Bei trockenem Wetter spreizen sich die Fruchtschuppen und die geflügelten Samen können austreten. Die Keimlinge sind, wie bei allen Nacktsamigen Pflanzen, vielkeimblättrig (5-9 Keimblätter).

Abbildung zu den Blüten und Entwicklung der Föhre

 

Genügsam, anpassungsfähig und abgehärtet, gedeiht die Bergföhre auf kahlen Felsen, Schutthalden und auf trockenen und nassen Verwitterungsböden von Granit, Gneis, Glimmer- und Tonschiefer, Serpentin, Porphyr, Kalk, Dolomit, Mergel, und Sandstein. An den kargen, stickstoffarmen Standorten wächst die Bergföhre auch sehr langsam, in extremen Fällen kann die Dicke der Jahrringe weniger als ¼ mm betragen! Sie würde auch bei uns gut wachsen, wird aber von rascher wachsenden und schattenwerfenden Bäumen (Waldföhre, Fichte, Tanne, Buche, Esche etc.) im Mittelland konkurrenziert. Die Bergföhre ist eine stark lichtbedürftige Pflanze, die im Schatten anderer Bäume nicht gut gedeihen kann.

Liegen die Äste der Legföhre zu lang im Lawinenschnee liegenbleiben, kann ein Pilz (Herpotrichia nigra) ganze Zweige mit schwarzbraunem Pilzgewebe umspinnen, in die Blätter eindringen und einen ganzen Baum schädigen.

 

Einzelpflanzen