Empfängnisverhütung und Geburtenregelung

Empfängnisverhütende Methoden können grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilt werden:
1. die vorübergehenden (rückgängig zu machenden) Methoden
2. die endgültige (nicht mehr rückgängig zu machende) Methode

Die vorübergehenden Methoden

• Coitus interruptus, „Aufpassen“

Wie der Name sagt, handelt es sich hierbei um einen unvollständigen Geschlechtsakt. Sowie der Mann spürt, dass der Samenerguss (Ejakulation) gleich kommen wird, zieht er sich zurück. Dadurch gelangt kein Samen in die Scheide. Es ist aber trotzdem möglich, dass mit dieser Methode eine Schwangerschaft entsteht. Es kann bereits vor dem Samenerguss Schleim mit Samen aus der Eichel treten.

• Periodische Enthaltsamkeit

Bei dieser Methode handelt es sich um die Enthaltung von jedem Geschlechtsakt während der Fruchtbarkeitsperiode eines Zyklus. Diese Periode kann nach verschiedenen Methoden bestimmt werden:

a) Kalendermethode (Berechnung nach Ogino-Knaus): Man nimmt an, dass die Eizelle 14 Tage vor der Menstruation reif und während 24 Stunden befruchtbar ist. Die Samenzellen behalten ihre Befruchtungsfähigkeit etwa 3 Tage. Der Zeitpunkt des Eisprunges wird vom Datum der nächsten Periode aus berechnet, das aber nicht sicher bekannt ist. Bei Frauen mit einem unregelmässigen Zyklus ist die Berechnung der „sicheren“ Tage unmöglich. Frauen, die einen regelmässigen Zyklus haben (z.B. Zyklusdauer von 29 Tagen), findet der Eisprung etwa 15 Tage nach dem Menstruationsbeginn oder 14 Tage vor der nächsten Menstruation statt. Da die Eizelle einen Tag befruchtungsfähig ist, kann auch der 16. Tag zu einer Befruchtung führen. Wegen der 3-tägigen Lebensdauer von Samenzellen kann bei einem Eisprung am 15. Tag ein Verkehr bereits am 12. Tag nach der letzten Menstruation zu einer Befruchtung führen. Auch bei regelmässigen Zyklen schwankt der Zeitpunkt des Eisprunges zwischen dem 8. und dem 21. Tag nach Menstruationsbeginn. Somit bleiben nach der Periode nur noch ein bis zwei „sichere“ Tage nach der Menstruation und eine „sichere“ Woche vor der nächsten Menstruation. (Diese Berechnungen stimmen jeweils nach einer Geburt nicht mehr.)

b) Temperaturmethode: Nach dem Eisprung steigt die Temperatur um einige Zehntel Grad. Die genaue Beobachtung der eigenen Körpertemperatur erlaubt also, den Zeitpunkt des Eisprunges zu erfassen. Die Temperatur muss jeden Morgen gerade nach dem Aufwachen in Ruhelage drei Minuten lang gemessen werden. Die Messung erfolgt durch Einführen des Thermometers in die Scheide. Die Temperatur ist auf einem speziellen Blatt zu notieren. Wenn die Temperatur während drei aufeinanderfolgenden Tagen auf dem höchsten Stand bleibt, kann angenommen werden, dass das Ei nicht mehr befruchtbar ist. Mit dieser Methode wird die „sichere“ Zeit etwas länger, aber nur diejenige nach dem Eisprung. Wenn der Eisprung beispielsweise am 12. Tag registriert wird, darf vor dem 16. Tag kein Verkehr stattfinden. Alkohol, wenig Nachmitternachtsschlaf, Erkältungen oder Infektionen können Temperaturerhöhungen hervorrufen, die nicht leicht von derjenigen zu unterscheiden sind, die vom Eisprung hervorgerufen wird.

c) Ovulationsmethode (Billing-Methode): Der Schleim, welcher vom Gebärmutterhals (Cervix) produziert wird, verändert sich zum Zeitpunkt der fruchtbaren Tage. Der Cervixschleim wird kurz vor dem Eisprung klar und glatt. Es lässt sich ein Faden zwischen Daumen und Zeigefinger ausziehen: der Schleim wird spinnbar. Innerhalb von etwa 1-2 Tagen nach dem Eisprung wird er wieder spärlich, dick, klebrig und undurchsichtig weisslich.

• Mechanische Schranken

Das Kondom (Präservativ, „Pariser“): Mit dem Kondom wird verhindert, dass Spermien überhaupt in die weiblichen Geschlechtsorgane gelangen. Das Kondom ist ein kleiner Gummisack aus sehr feinem Material, der über den erigierten Penis abgerollt wird. In dieser Gummihaut, die nur einmal gebraucht werden darf, werden die Spermien aufgefangen. Die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsakt schützt zudem vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten (AIDS, Syphilis, Tripper…).
Das Diaphragma (Scheidenpessar): Das Diaphragma ist eine Gummihohlschale aus schmiegsamem Material. Eingesetzt, verschliesst es den Muttermund (siehe Abb. 7) und verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Die Grösse des Diaphragmas wird von einem Arzt ermittelt. Es wird kurz vor dem Verkehr mit spermienabtötendem Schaum bestrichen und eingesetzt. Es darf nach dem Geschlechtsverkehr erst 6 Stunden später entfernt werden. Ein Diaphragma kann während etwa einem Jahr gebraucht werden.

• Chemische Hindernisse

Spermienabtötende Präparate (Spermizide) töten Spermien in der Scheide, wie etwa ein Desinfektionsmittel, das Krankheitskeime abtötet. Diese Produkte müssen rund 5 Minuten vor dem Akt eingeführt werden und wirken etwa eine Stunde lang. Spermizide werden etwa in Kombination mit Kondom oder Diaphragma angewendet, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen.

• Pessare (Spirale)

Es gibt verschiedenförmige Gebärmuttespiralen (Intrauterinpessare), nur die ersten waren spiralförmig. Sie werden vom Arzt schmerzfrei in die Gebärmutter eingeführt und können dort während mehreren Jahren bleiben. Sie werden im Idealfall weder vom Mann, noch von der Frau wahrgenommen. Nach der Einführung eines Intrauterinpessars ist eine periodische Kontrolle durch den Arzt nötig. Spiralen werden zuweilen für junge Frauen nicht empfohlen, weil das Risiko einer Entzündung des Uterus samt Eileiter zu hoch ist und damit eine Möglichkeit zur Unfruchtbarkeit besteht.

• Hormonpräparate (Pille)

Die Pille war früher das am häufigsten verwendete Medikament. Eine Frau darf sie aber nur nehmen, wenn sie nicht unter den folgenden Beschwerden leidet: Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, schwere Thrombosen. Die Pille (rezeptpflichtig) wird vom Arzt verschrieben und in ihrer Wirkung auf den Körper regelmässig kontrolliert. Die Einnahme muss sehr zuverlässig immer zur selben Zeit erfolgen, ansonsten ist der Schutz nicht mehr gewährleistet. Die meistverbreitete Art ist die Einphasenpille: 21 oder 22 Pillen enthalten die beiden weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen in gleicher Dosierung. Östrogen und Progesteron haben eine hemmende Wirkung auf den Hypothalamus und die Hypophyse, damit wird die Ausschüttung von LH (luteinisierendes Hormon) unterdrückt. Das Ovar wird ruhiggestellt. Diese Hormone verhindern die Reifung der Eizelle und den Eisprung (daher wird die Einphasenpille auch als Ovulationshemmer bezeichnet). Weiter wird die Tubenmotilität gehemmt und die Uterusschleimhaut wandelt sich in einen für die Einnistung ungünstigen Zustand um. Die Gestagenkomponente in der Pille verfestigt den Cervixschleim, was die Wanderung der Spermien behindert.

Die in der Pille enthaltenen Hormone können in der ersten Zeit ähnliche Begleiterscheinungen wie bei einer Schwangerschaft herbeiführen (Müdigkeit, Übelkeit, Lustlosigkeit, Bluthochdruck…). Die Blutungen sind während der Pilleneinnahme oft kürzer und weniger stark.

Bei der 3-Monats-Spritze wird durch Hormonbehandlung der Zyklus ganz ausgeschaltet. Eine Spritze führt zu einer dreimonatigen Unfruchtbarkeit.
Die „Pille danach“ ist wegen ihrer hohen Östrogen-Dosierung als eine Notmassnahme nach einem „Unglück“ anzusehen. Sie bewirkt unangenehme Nebenerscheinungen wie Übelkeit, Brechreiz, Brustspannung etc.

Die endgültige Methode

Falls keine Kinder mehr gewünscht werden, kann mittels operative Durchtrennung der Samenleiter beim Mann oder der Eileiter bei der Frau eine endgültige, nicht mehr rückgängig zu machende Empfängnisverhütung vorgenommen werden. Diese Operation wird als Sterilisation bezeichnet.

Zuverlässigkeit

Die Zuverlässigkeit von empfängnisverhütenden Methoden gibt man mit Hilfe der Versagerquote* an. Diese gibt die Anzahl der Schwangerschaften an, welche bei 100 Frauen eintreten, welche ein Jahr lang eine der beschriebenen Methoden anwenden. Die Zahlen der Versagerquote sind Durchschnittswerte.

Sehr zuverlässig 0.2-0.5*
Pille
Spritze
Pessar (gleichzeitige Anwendung chemischer Mittel)
Sterilisation
Zuverlässig 1-3
das Pessar (ohne zusätzliche Massnahme)
Kondom (gleichzeitige Anwendung chemischer Mittel)
strenge Enthaltsamkeit nach der Temperaturmethode
Ziemlich zuverlässig 5-10
Diaphragma mit Anwendung einer samenabtötenden Creme
Kondom (ohne zusätzliche Massnahme)
Unsichere Methode 10-30
periodische Enthaltsamkeit nach der Kalendermethode
Coitus interruptus
Scheidenspülung